Diatretglas

 

D i a t r e t g l ä s e r
(Auszug aus der Arbeit “Becher aus Flechtwerk von Kristall” von Josef Welzel)

sind luxuriöse Glasgefäße, welche ihren ehemaligen Besitzern als prunkvolle Trinkgefäße dienten. Wegen ihren großen Wertes und ihrer Zerbrechlichkeit ist anzunehmen, daß sie nur zu besonderen Anlässen benutzt wurden.

Die Bezeichnung „Diatret“ leitet sich von dem griechischen Wort „diatreton“ ab, was durchbrochen, durchbohrt bedeutet und damit auf die kunstvollen Durchbrüche an den Glasgefäßen hinweist, deren Ranken, Figuren, Netzwerk und Schrift sich vom eigentlichen Glaskörper abheben.

Daß so zarte und zerbrechliche Gebilde wie die „Diatretgläser“ fast zwei Jahrtausende auch unversehrt überstehen konnten, ist dem Begräbniskult der Römer zu verdanken. In einer Grabanlage in Köln, Benesisstraße, wurden 1844 zwei Steinsarkophage mit je einem fast unbeschädigtem „Diatretglas“ gefunden.
Bis heute lassen sich etwa 50 antike Exemplare nachweisen, die häufigsten Fundstellen befinden sich im Raum um Köln.

Einen schriftlichen Hinweis auf „Diatretgläser“ gibt es bereits im 1. Jahrhundert n.Chr. Im Jahr 1982 kam bei Ausgrabungen eines römischen Gräberfeldes in Nijmegen ein Becher zutage, der ein wichtiges Glied in der Kette der Entwicklung der Schleiftechnik
vom Kameenschnitt bis zum „Netzdiatret“ bedeutet. Die Datierung des Bechers ist zuverlässig, da er in einem Brandgrab zusammen mit
einer Reihe von Gegenständen gefunden wurde, die ohne Zweifel aus dem 1. Jahrhundert n.Chr. stammen.

Besonders die Entdeckung einiger gut datierbarer Diatretgläser im 19. und um die Mitte des 20. Jahrhunderts brachte diese interessanten Gefäße erneut ins Gespräch.

Ein Netzdiatretglas zu schleifen hat viele qualifizierte Glasschleifer in
unserer heutigen Zeit zu Diskussionen und Versuchen angeregt.
Ganz wenigen Glasschleifern ist es gelungen „Diatretgläser“ in hoher
Qualität herzustellen.

Aber nicht nur als technische Kuriosa wurden und werden die
Diatrete so hoch geschätzt, sondern vor allem auch, weil sie künstlerische Leistungen darstellen, deren ästhetische Wirkung nicht zuletzt auf der Tatsache beruht, daß ihr ganzer Dekor mit den einfachsten Mitteln und den simpelsten, aber mit vollendeter Virtuosität geführten Schleifrädchen gearbeitet ist.
Otto Doppelfeld, Kölner Jahrbuch, 1960/61

 

Erwin Schmierer - Krone

Erwin Schmierer – Krone